Puschel

 

 

Viele unserer Besucher haben unser, an der Krankheit E. Caniculi (kurz EC) erkranktes Kaninchen "Puschel", bereits kennen gelernt.

 

Während gesunde Kaninchen bei uns einziehen und schon bald darauf wieder gehen dürfen, hat sich bei "Puschel" die Suche, nach einem geeigneten Zuhause, mehr als 2 Jahre hingezogen. 

 

Doch jetzt endlich gab es auch für sie ein Happy End.

 

Hier ist "Puschels" Geschichte: 

 

 

 

 

 

Der Tag der mein Leben komplett verändert hat

 

– - ein Bericht von Puschel persönlich -

 

 

 

Hallo, ich bin Puschel!

 

Seit Juni 2017 lebte ich mit meinem Partner Johnny im Tierheim Linxbachhof.

Das waren immerhin 2 Jahre. Viele Besucher haben mich in dieser Zeit kennen gelernt.

Aber keiner konnte uns mit nach Hause nehmen.

 

Das lag an meiner lästigen Erkrankung. Im Alter von 3 Monaten bekam ich E. Caniculi, kurz EC. Diese Erkrankung kann sich in verschiedenen Ausprägungen zeigen.

Bei mir führte das zu einer extremen Kopf-Schiefstellung. Mein rechtes Auge war an die Decke gerichtet, das linke ganz dicht über dem Boden. Ich habe es immer geschlossen, damit es nicht verletzt wird. Diese Kopfhaltung ist ganz schön anstrengend – für den ganzen Körper. Meine Schultern und die ganze Wirbelsäule mussten sich mit anpassen.

 

 

 

 

Jeder, der schon einmal einen steifen Nacken oder eine Wirbelblockierung hatte, weiß wie unangenehm das ist.

 

Im Tierheim hat man sich ganz liebevoll um mich gekümmert. Soviel wie möglich wurde meinem Handicap angepasst. Überhaupt hat man mich sehr umsorgt.

Manchmal hatte ich schon Angst, dass Johnny dabei zu kurz kommt. Aber auch er hat mit mit gekuschelt und mir Beistand geleistet.

 

Um meine verspannte Muskulatur etwas zu entlasten bekam ich einmal pro Woche Physiotherapie. Und auch Akupunktur durfte ich ausprobieren.

 

 

 

Der Tag der die entscheidende Wende brachte war aber dieser besondere Tag im Juli 2019. An diesem Tag brachten mich meine Betreuer vom Tierheim zu meinem neuen Zuhause. meiner Pflegestelle die nach langer Suche nun endlich gefunden war.

 

Ich werde nie vergessen wie das war. Der Geruch von Erde, Gras und Pflanzen. Dazu die Geräusche von Vögeln und Insekten, fremde Stimmen um mich herum. Und die Sonne! Das kannte ich ja noch gar nicht.

 

Ich war total aufgeregt, neugierig und begeistert. Alles gleichzeitig. Hätte mir vorher jemand erzählt dass es so etwas gibt, ich hätte es nicht geglaubt. Die Menschen nennen das Außenhaltung.

 

Wie gut dass man mir mein Häuschen auf dem Boden gestellt hatte. So konnte ich das Tempo mit dem ich mir alles anschauen wollte selbst bestimmen und mich immer wieder in meinem Unterschlupf zurückziehen.

 

 

 

Die Anwesenheit von Johnny, der ganz entspannt war, hat mich sehr beruhigt. Zumal da noch ein drittes Kaninchen war. Er heißt Rusty und ich konnte es nicht glauben – er hat auch EC. Dadurch kann er auf dem rechten Auge nichts sehen.

So ganz allmählich lernen wir uns besser kennen und es läuft schon recht gut zu dritt.

 

Nachdem in unserem Gehege eine paar Unebenheiten und Stolperfallen auf meine Bedürfnisse umgestaltet wurden klappt das mit der Fortbewegung und Orientierung schon richtig gut.

 

 

Ich muss jetzt meine Muskeln anstrengen um Herausforderungen wie kleine Unebenheiten im Boden oder das Überwinden von Steigungen zu meistern..Anstrengend aber es lohnt sich. Meine Kopfhaltung schon etwas verbessert und mein verkürztes Vorderbein erreicht wieder den Boden. Ich lebe wie ein ganz normales Kaninchen und genieße es.

 

 

Ich bedanke mich ganz herzlich bei allen, sie mich so liebevoll betreut haben.

Insbesondere bei

 

Jana Schmidt, Physiotherapie

Kristina Grund, Tierärztin, Akupunktur

Carolin Weissbarth, die meine Patenschaft übernommen und dadurch vieles ermöglicht hat

Familie Köpenik/Wilms für die Pflegestelle

 

 

 

 

 

 

 

Was ist EC?

 

Es handelt sich um eine komplexe Erkrankung, die häufig das zentrale Nervensystem betrifft. Ganz typisch ist hier die Schiefhaltung des Kopfes, wie bei Puschel.

 

Etwa 41-45 % der Hauskaninchen in Deutschland tragen den Erreger in sich.

Tiere mit einem normalen Immunsystem halten den Erreger so gut unter Kontrolle, dass er keine klinischen Symptome verursacht. Wie bei Johnny.

 

 

Ist EC für andere Kaninchen ansteckend?

 

Leider ja.

 

Hauptsächlich über den Urin oder auch durch die Einatmung infizierter Staubpartikel.

 

Eine Ansteckung  den Mensch ist generell denkbar, aber äußerst selten (30 Fälle weltweit).

Für gesunde Menschen besteht bei bei normaler Hygiene so gut wie keine Gefahr.

 

Und: Kaninchen mit Symptomen sind nicht ansteckender als Kaninchen ohne Symptome, die den Erreger aber in sich tragen.